Hintergrundinfos

 

Home
Nach oben

Hintergrundinformationen zur Jahrhundertflut

in Elbe und Havel im August 2002

 

bullet

Auswirkungen und mögliche Folgen im Havelgebiet

bullet

Expertenmeinungen

bullet

Entwicklung des Niederschlagsereignisses

Auswirkungen und mögliche Folgen im Havelgebiet

Die Jahrhunderflut in Mitteleuropa im August 2002 hat nicht nur zu enormen Schadenssummen von derzeit geschätzt 20-25 Mrd. in Deutschland geführt, sondern auch zu Auswirkungen in Regionen wie dem Haveleinzugsgebiet, die nicht unmittelbar von den durch eine sogn. Vb-Wetterlage („Genua-Zyklone“) hervorgerufenen extremen Niederschlägen betroffen waren. Somit hat die Flutkatastrophe in drastischer Weise verdeutlicht, dass extreme Ereignisse auch bislang für „sicher“ gehaltene Regionen betreffen können. Auslöser für die Jahrhundertflut waren extreme Niederschläge, die auf ungünstige hydrologische Vorbedingungen in den Gewässereinzugsgebieten trafen (z. B. Vorfeuchte).

Brandenburg ist bei der großen Elbeflut im August 2002 nach Aussage des zentralen Krisenstabes glimpflich davongekommen. Im Vergleich zu anderen Bundesländem sind die Schädern eher gering. Bereits am 27. August entspannte sich die Situation an der Havel allmählich. Die etwa 2500 Menschen aus den 37 evakuierten Dörfem konnten in ihre Häuser zurückkehren. Die Schäden an den Deichen werden nach Schätzungen des Krisenstabes ,,im unteren Drittel eines dreistelligen Millionenbetrages“ liegen. Auch das Wasser in der Havel fließt inzwischen wieder in der „richtigen“ Richtung.

Ein Grund für die gemäßigt ausgefallenen Schäden war sicherlich die gegenüber anderen betroffenenen Bundesländern längere Vorwarnzeit. Ein weiterer Grund waren die Erfahrungen aus dem Oderhochwasser, die den Brandenburgern beim Bewältigen der Elbflut geholfen haben und die richtigen Schlüsse, die daraus gezogen wurden. Nach dem Oderhochwasser 1997 wurde die Deicherneuerung an Oder und Elbe forciert. Von den 75 Kilometern Elbdeich in Brandenburg sind bereits 48 Kilometer auf den neuesten Stand gebracht. Hinzu kommt ein vergleichsweise gutes Krisenmanagement während der Elbeflut 2002. Dies beweist beispielsweise die Tatsache, dass die Wehre zur Havel bei Quitzöbel (Prignitz) in dem Moment geöffnet  wurden, als die Spitze der Elbflutwelle effektiv gemindert werden konnte. Im Verlaufe des 20. August 2002 hatten sich die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt geeinigt das Wehr zu öffnen, um Wasser aus der Elbe in die Havel zu leiten und so den Druck der Elbe auf die durchnässten Deiche zu verringern. Am Abend des 20. August gegen 20 Uhr wurde erst eines und dann ein zweites Schott geöffnet, um die Havelpolder zu fluten und damit den Druck von der Elbe nehmen. Am Vormittag des folgenden Mittwochs kam dann noch ein drittes Schott hinzu. Später wurden zusätzlich Dämme (z. B. in der Gegend von Vehlgast) gesprengt.  

Folge davon waren fallende Pegelstände in Wittenberge (mehr als 20 cm). Wie die Luftaufnahmen vom 21. August zeigen, reichte der Rückstau bereits kurz nach der Öffnung bis über Rathenow hinaus. Damit die Flut nicht Dörfer in der Havelniederung unter Wasser setzte, wurde das Elbewasser kontrolliert abgelassen, und zwar maximal bis auf einen Pegel von knapp 5 m in den Poldern der Niederung. Dennoch hatten die Bewohner verschiedener Dörfer wie Jederitz, Kuhlhausen, Garz oder Warnau mit nassen Kellern zu kämpfen, eine Situation, die schon vor der Eindeichung bekannt war. Die Luftaufnahmen vom 29. August wurden zur Zeit der Wasserhöchststände im Havelgebiet gemacht und verdeutlichen das große Rückhaltvolumen zur Entlastung der Elbe.

Beim Ablauf des in den Havelpoldern „zwischengespeicherten“ Elbewassers zeigten sich auch im Havelgebiet enorme, durch das Hochwasserereignis hervorgerufene ökologische Schäden. So kosteten die Polderflutungen Millionen Fischen in der Havel das Leben. Nach Aussagen des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) handelte es sich um ,,das katastrophalste Fischsterben, das die untere Havel je erlebt hat". Etwa zwei Millionen Fische und zahlreiche weitere Wasserorganismen sind an Sauerstoffinangel gestorben. Grund dafür war die Tatsache, dass sich das Wasser auf den Polderflächen durch Schlamm und Düngemittel in eine sauerstoffarme und stinkende Brühe verwandelt hatte und durch Giftstoffe belastet wurde (siehe auch Luftaufnahmen vom 13. September). Als diese "Brühe" wieder in die Havel geleitet wurde, wurde das Fischsterben ausgelöst. Möglicherweise dauert es zehn Jahre, bis wieder so viele Fische wie vor der Flut in der Havel schwimmen. Viele Fischer sind deshalb in ihrer Existenz bedroht.

Was die ökonomischen Schäden betrifft, so spricht man im Land Brandenburg von einer Schadenssumme in Höhe von knapp 219 Mio. Euro durch das Elbehochwasser. Nach Auskunft des Finanzministeriums in Potsdam waren die größten Schäden mit 117,6 Mio. Euro in der staatlichen Infrastruktur zu verzeichnen. Aus der Landwirtschaft wurden Verluste und Kosten in Höhe von 54,4 Mio. Euro gemeldet. Die restliche Schadenssumme verteilt sich auf die gewerbliche Wirtschaft (14,8 Mio. Euro), die privaten Haushalte (8,6 Mio. Euro) und sonstige Schäden (23 Mio. Euro). Urn Ungleichbehandlungen unter den Ländern zu vermeiden, werden Detailfragen der Schadenserfassung und -regulierung zur Schadensregulierung mit dem Bund geklärt. Bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) gingen bis Anfang November 2002 knapp 200 Anträge auf Unterstützung ein, wobei 150 Anträge mit einer Summe von 500.000 Euro aus der gewerblichen Wirtschaft stammen und rund 50 Anträge mit der gleichen Summe zum Ausgleich von Wohnungsschäden beantragt wurden. Insgesamt beläuft sich die beantragte Summe damit auf rund eine Mio. Euro.

Welche Schlußfolgerungen sind nun aus dem 2002-Ereignis für Brandenburg und speziell das Havelgebiet zu ziehen? Neben einem verbesserten Krisenmanagement und der weiteren Ertüchtigung von Deichanlagen an der Elbe ist die Rolle von Polderflächen und ihrer Nutzung grundsätzlich neu zu analysieren. Auen als Ausgleichsflächen für extreme Flutereignisse wie 2002 dürfen in ihrer wichtigen Funktion nicht noch weiter beeinträchtigt werden. Dazu gehört auch die Frage nach dem Sinn von hochwassergefährdeter Infrastruktur in stark überflutungsgefährdeten Bereichen. So besteht in besiedelten Polderflächen bei extremem Hochwassern ein nicht länger hinzunehmendes Schadenspotenzial. Auch über Fragen des Deichrückbaus oder eine Renaturierung anthropogen überformter Flussläufe ist neu nachzudenken. All dies erfordert neue Managementkonzepte, die sich insbesondere der besonderen Bedeutung von Poldern, Auen und Feuchtgebieten allgemein widmet. In diesem Zusammenhang ist auch über die weitere (z. T. intensive) landwirtschaftlicher Nutzung solcher Flächen nachzudenken, mit der möglichen Folge, in Zukunft auf eine solche Nutung ganz zu verzichten. Auch könnte es sinnvoll sein, Gebäude und Siedlungen in stark überflutungsgefährdeten Bereichen gänzlich aufzugeben.

W. Lahmer

nach oben

 

Stellungnahmen von Experten im GLOWA-Elbe-Projekt

Titel

Autor(en)

Konsequenzen der Elbe-Flutkatastrophe für GLOWA-Elbe

Dr. Alfred Becker, Dr. Maarten Krol, Dr. Michael Meiss, Dr. Frank Wechsung

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.

Klima-Übergänge bringen instabile Wetterlagen

Dr. Friedrich-Wilhelm Gerstengarbe

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.

Ohne Mensch kein Hochwasser?

Prof. Dr. U. Grünewald, Cottbus

Prof. Dr.-Ing. H.-B. Kleeberg, München

Dr.-Ing. M. Disse, Koblenz

Nach der Flutkatastrophe zum Silicon Valley an der Elbe – die Chancen eines kompletten Neubaus von Teilregionen aus einer funktionierenden Volkswirtschaft heraus

Dr. Michael Meiss

Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.

Hochwasserstatement mit Bezug zum GLOWA-Elbe-Teilprojekt „Feuchtgebiete und Auen"

Prof. Dr. Joachim Quast, Dr. Ottfried Dietrich,

Dr. Jörg Steidl, Dr. Ralf Dannowski, Dr. Volker Ehlert

ZALF, Institut für Landschaftswasserhaushalt

DPA Gespräch zur Flutkatastrophe mit Prof. Hans-Joachim Schellnhuber, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung e.V.

Prof. Hans-Joachim Schellnhuber

Potsdam-Institut für

Klimafolgenforschung e.V.

Funktion von Auewäldern beim Hochwasserschutz (aus der Sicht der Bodenkunde)

 

Vollständige Texte (im PDF-Format) unter http://elise.bafg.server.de/?3954

nach oben

 

Entwicklung des 24h-Niederschlags (8:00 MESZ)

Weitere Informationen unter www.glowa-elbe.de

nach oben

 

Bei Fragen und Hinweisen wenden Sie sich bitte an W. Lahmer (werner@wernerlahmer.de oder  webmaster@havelmanagement.net)
Stand: 07. Februar 2005

Layout: W. Lahmer