Teilprojekt 9

 

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Leitbildorientierte Bewertung von Landschaftsszenarien als Grundlage für das Management

Bearbeiter: B. Jessel, Universität Potsdam

Konkrete Zielstellung

Die Wasserrahmenrichtlinie verfolgt einen integrierten, raumbezogenen Ansatz, der Überlegungen zum Management der Landnutzung in den Einzugsgebieten als räumlicher Bezugsbasis erfordert. Dabei können zahlreiche Synergien auftreten, aber auch Konflikte mit verschiedenen Raumansprüchen, etwa des Naturschutzes (insbes. Schutzgebiete, Zielvorgaben bestehender Landschafts- und Landschaftsrahmenpläne), der Land- und Forstwirtschaft (durch verschiedene Formen der Landbewirtschaftung), des Rohstoffabbaus, der Siedlungsentwicklung u.a.m.. Zu beachten ist dabei insbesondere, dass auch im Naturschutz durch die Umsetzung der Richtlinie 92/43/EWG, der sog. FFH-Richtlinie, die vorsieht, dass in den betreffenden Gebieten ein "günstiger Erhaltungszustand" zu erhalten bzw. zu entwickeln ist, zwingende EU-rechtliche Vorgaben zu beachten sind.

Das Teilprojekt setzt daher auf einer (natur-)räumlich-integrierenden Ebene an. Ziel ist es, die Ansprüche verschiedener Träger der Landnutzung in ihren räumlichen Dimensionen zu betrachten, sie über integrierende landschaftliche Leitbilder und Zielsysteme in einem konzeptionellen Rahmen zusammenzuführen und verschiedene Alternativentwicklungen (Szenarien) in ihren Auswirkungen auf das Landnutzungsmuster zu beleuchten (zum Einsatz der Szenariotechnik vgl. Jessel 2000a/b). Dazu müssen für die Fokusgebiete die Ergebnisse verschiedener Teilprojekte (insbes. TP 1 und 11) in einen räumlichen Bezug überführt werden. Aus der an dem entwickelten Zielsystem orientierten Bewertung der Szenarien werden planerisch-konzeptionelle Vorstellungen für das Management abgeleitet. Dies erfolgt zunächst für die näher betrachteten Fokusgebiete, um darauf aufbauend Möglichkeiten der Übertragbarkeit auf einen größeren räumlichen Zusammenhang ("Zwischenebene") sowie auf das Gesamtgebiet zu beleuchten. Die Begründung der Managementoptionen erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem auf einer konkreten Maßnahmenebene sowie in Konzentration auf den gewässerökologischen Bereich arbeitenden TP 2. Die ermittelten Implikationen der Szenarien stellen zudem wichtige Eingangsgrößen für eine multikriterielle Analyse alternativer Managementstrategien (TP 10) dar.

Die Umsetzung derartiger Vorstellungen in die Fläche kann zugleich nur im Zusammenwirken mit den Landnutzern erfolgen. Eine weitreichende Beteiligung der Öffentlichkeit stellt allerdings eine institutionelle Neuigkeit der WRRL dar, denn in Deutschland wird bisher nur ein eingeschränkter Kreis der sog. Träger öffentlicher Belange an wasserwirtschaftlichen Planungen beteiligt. Prozessbegleitend sollen daher die Werthaltungen von Stakeholdern wesentlicher gesellschaftlicher Gruppen erhoben werden, um sie zum einen bei der Formulierung der Zielsysteme und Szenarien zu berücksichtigen (partizipative Entwicklung von Zielvorstellungen) und um im Gegenzug die ermittelten Ergebnisse (räumliche Szenariendarstellungen) einer wertenden Betrachtung zu unterziehen (Prüfung der Akzeptanz der Maßnahmen, in enger Zusammenarbeit mit bzw. Zulieferung an TP 10). Damit sollen zugleich Erfahrungen über die nach Art. 14 WRRL geforderte Information und Anhörung der Öffentlichkeit (der u.a. Entwürfe des Bewirtschaftungsplanes für die Einzugsgebiete und der geplanten Maßnahmen vorzustellen sind) gesammelt und dokumentiert werden.

Geplante Arbeiten und angewendete Methoden

  1. Zusammenstellung relevanter Grundlagen auf naturräumlicher Ebene und Herleitung landschaftsökologischer Raumeinheiten
  2. Ausgangsbasis bildet das aktuelle Landnutzungsmuster auf der Grundlage von Fernerkundungsdaten (Zulieferung durch TP 6); weiterhin sind verfügbare Angaben über die biotische und standörtliche Ausstattung der Testgebiete zu erheben (zu letzterem gleichfalls Zulieferung durch TP 6). Ergänzend bilden die in TP 2 unter Einbeziehung der historischen Landnutzung dargestellten "heutigen potenziellen natürlichen Landnutzungsverhältnisse" eine weitere wichtige Grundlage, um Standortpotenziale zu erschließen. Durch Überlagerung und schrittweise Aggregation von im Einzugsgebiet relevanten Standortfaktoren (insbes. Bodenart, Hochwasserganglinie, GW-Flurabstand) werden die Testgebiete in landschaftsökologische Raumeinheiten unterteilt (vgl. auch Jessel 1994). Diese erlauben eine Abbildung der gegebenen Potenziale für die Leistungsfähigkeit des Naturhaushaltes und die Landnutzung und stellen eine durchgängige räumliche Basis für die Leitbildentwicklung und die Ableitung konzeptioneller Vorstellungen zur Lenkung der Landnutzung dar. Desweiteren erfolgt eine Auswertung der für die Testgebiete bestehenden rechtlichen und administrativen Rahmenbedingungen (etwa Zielsetzungen in Regional- und Landschaftsrahmen- bzw. Landschaftsplänen), die später ggf. in die Szenarien zu integrieren sind.

  3. Entwicklung von Zielvorstellungen für die Untersuchungsgebiete aus naturräumlicher Sicht
  4. Auf Basis der landschaftsökologischen Raumeinheiten werden Ziele formuliert, die in einem ersten Schritt vorrangig nach den Kriterien Bodenart, Überflutungs- und Grundwasserverhältnissen, Flora und Fauna zu untergliedernde Vorgaben umschließen (naturschutzfachliches Zielsystem), in einem zweiten Schritt neben naturschutzfachlichen auch sozioökonomische, wasserwirtschaftliche u.a. Erfordernisse (Zuarbeit TP 1 und 11) in ihrem räumlichen Bezug zusammenführen (integrierendes landschaftliches Zielsystem).

  5. Festlegung von Szenarien im Zusammenarbeit mit den anderen Fachbereichen
  6. Die Definition der Rahmenbedingungen für die zu betrachtenden Szenarien erfolgt in enger Abstimmung mit den anderen beteiligten Fachbereichen (insbes. TPs 1, 2, 10, 11). Um verschiedene mögliche Raumentwicklungen zu thematisieren und den im Hinblick auf die Anforderungen der WRRL notwendigen Handlungsbedarf zu verdeutlichen, sollten dabei zum einem Szenarien formuliert werden, die eine Optimierung des Landnutzungsmusters schwerpunktmäßig unter wasserwirtschaftlichen, Naturschutz- oder landwirtschaftlichen Aspekten vornehmen und zum anderen Szenarien, die verschiedene dieser Aspekte unter unterschiedlicher Gewichtung zusammenbinden.

  7. GIS-basierte Darstellung der Szenarienentwicklungen und zielorientierte Bewertung
  8. Die verschiedenen Szenarien werden unter Einsatz eines Geographischen Informationssystemes in ihren räumlichen Auswirkungen auf das Landnutzungsmuster dargestellt und mit Blick auf die entwickelten landschaftlichen Zielvorstellungen bewertet. Die landschaftsökologischen Raumeinheiten erlauben dabei die räumliche Darstellung und Visualisierung des Vergleichs der auf ihnen fußenden Zielvorgaben mit der aktuellen Landnutzung (Ist-Soll-Vergleich) bzw. mit der im Rahmen der Szenarienentwicklung veränderten Landnutzung (Soll-Soll-Vergleich).

  9. Überprüfung planerischer und administrativer Mittel zur Umsetzung der Szenarien
  10. Im Hinblick auf eine Umsetzung der Szenarien erfolgt die Prüfung verschiedener planerischer und administrativer Lenkungs- und Managementoptionen. Dabei sind - unter Bezug auf die in Anhang VI, Teil B der WRRL angeführten Lenkungsmöglichkeiten - Sets an Maßnahmenbündeln zu bilden und ihrerseits in ihren Möglichkeiten für eine Umsetzung der Szenarien zu betrachten. Die Aussagen ergänzen damit das TP 2, das auf einer konkret maßnahmenbezogenen Ebene arbeitet um den planerisch-konzeptionellen Rahmen. Zudem können die landschaftsökologischen Raumeinheiten herangezogen werden, um auf ihrer Basis ein raumbezogenes Handlungskonzept zu veranschaulichen, das bezogen auf die betrachteten Teileinzugsgebiete (Fokusgebiete) räumliche Handlungsschwerpunkte definiert (etwa in Form von "Funktionsräumen", denen schwerpunktmäßig die Erfüllung einzelner in den Zielvorgaben definierter Teilfunktionen zugewiesen wird) und Prioritäten hinsichtlich der Umsetzung einzelner Teilziele setzt.

  11. Prozessbegleitende partizipative Entwickung von Zielvorstellungen

Diese soll dazu dienen, zum einen relevante Rahmenbedingungen zu identifizieren, die in die Zielvorstellungen und Szenarien einfließen (F1) und zum anderen deren Bewertung im Hinblick auf Akzeptanz und Umsetzbarkeit ergänzen (F2). Dazu sind Kontakte mit relevanten Akteuren (Kommunen, Landwirte, Verbände, verschiedene im Raum tätige Fachbehörden) aufzubauen und über strukturierte Interviews die relevanten Werthaltungen zu erheben und zu systematisieren.

Angestrebte Ergebnisse

Als Ergebnis steht die an den entwickelten naturschutzfachlichen und landschaftsräumlichen Zielvorgaben orientierte Bewertung verschiedener Szenarien, deren räumliche, GIS-basierte, auf das Landnutzungsmuster bezogene Visualisierung sowie die Überprüfung exemplarischer Sets von Managementoptionen im Hinblick auf eine optimierte Umsetzung der formulierten Anforderungen. Die abgeleiteten naturräumlichen Potenziale können als Grundlage für eine insbes. unter ökologischen Gesichtspunkten nachhaltige Nutzung dienen, die einer guten fachlichen Praxis in der Landbewirtschaftung und wasserwirtschaftlichen Anforderungen gleichermaßen entspricht. Die Ergebnisse stellen eine wichtige Basis für die Entwicklung eines GIS-basierten Bewertungstools (TP 8) dar; die entwickelten planerisch-konzeptionellen Vorstellungen bilden einen wichtigen Baustein für die Umsetzung der Managementoptionen bzw. deren Integration in einen Bewirtschaftungsplan nach Art. 13 WRR..

Zeitplan

Die Durchführung des TP wird durch die in anderen Teilprojekten erzielten Ergebnisse und Fortschritte wesentlich bestimmt und orientiert sich unter dieser Prämisse an folgendem Zeitplan:

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Bei Fragen und Hinweisen wenden Sie sich bitte an W. Lahmer (werner@wernerlahmer.de oder  webmaster@havelmanagement.net)
Stand: 07. Februar 2005

Layout: W. Lahmer