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Havel zwischen Pritzerbe und Premnitz

Aufnahmedatum: 21. August 2002, während der Jahrhundertflut in der Elbe

Foto: W. Lahmer

Die Havel als größter rechtsseitiger Zufluss der Elbe und einer der wichtigsten Tieflandflüsse in Deutschland besitzt als eine der brandenburgischen Hauptlebensadern und als Gewässer I. Ordnung große Bedeutung für sehr unterschiedliche Nutzer. Aufgrund ihrer äußerst komplexen hydrologischen und landschaftsökologischen Struktur und den nicht minder komplexen Nutzungsanforderungen eignet sich das Einzugsgebiet der Havel für interdisziplinäre und integrative Untersuchungs- und Bewirtschaftungsmethoden, die den Untersuchungsraum in seiner gesamten naturräumlichen und sozioökonomischen Ausstattung erfassen. Das Havelgebiet wurde aus einer Reihe von Gründen als Untersuchungsgegenstand des vorliegenden Forschungsvorhabens gewählt, insbesondere wegen

  1. der hohen naturräumlichen und sozioökonomischen Heterogenität, die das Gebiet bezüglich der Übertragung von Methoden und Ergebnissen auf andere Regionen ähnlicher Naturraumeigenschaften prädestiniert,
  2. des beträchtlichen Anteils landwirtschaftlich genutzter Flächen, der signifikante Aussagen zu Stoffeintrag und -dynamik - auch unter dem Aspekt von Landnutzungsänderungen - erwarten lässt,
  3. der mannigfaltigen Interessen zur Nutzung der Wasserressourcen, so z.B. bzgl. Trinkwasserversorgung, Schifffahrt, Freizeit und Erholung, Fischerei und Industrie,
  4. der hohen Abhängigkeit der Infrastruktur und Landnutzung von der Abflussdynamik der Fließgewässer und der Wasserregulierung aufgrund der typischen Hydrologie und Geländemorphologie sowie der hohen Ausstattung an wasserwirtschaftlichen Bauten und meliorativen Anlagen,
  5. des hohen Raumwiderstandes (Widerstand der Nutzer) vornehmlich seitens der Landwirtschaft als wichtigem Wirtschaftsfaktor in dieser dünn besiedelten Region gegenüber Veränderungen des Einzugsgebietsmanagements wegen ihrer starken Abhängigkeit von den Wasserregulierungsanlagen,
  6. der starken Einflüsse des überregionalen Flussgebietsmanagements, die eine Berücksichtigung überregionaler Aspekte des Wasserhaushaltes/Gewässerschutzes erforderlich machen,
  7. der lang andauernden Abflussminima im Sommer (insbes. in Trockenjahren), die selbst nach deutlichen Reduzierungen der stofflichen Belastungen ein Kernproblem der Wassergütewirtschaft darstellen,
  8. der hohen Ausstattung mit Schutzgebieten nationaler und internationaler Bedeutung,
  9. der veränderten Bedeutung der Unteren Havel für die Schifffahrt in Verbindung mit dem Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 17 "Ausbau der Havel-Wasserstraße".

Das Spree/Havel-Gebiet liegt im Naturraum des pleistozänen Jungmoränengebietes mit dem dafür typischen flachen Geländeniveau (sehr niedriges Gefälle, geringe Fließgeschwindigkeiten) und weiträumigen Feuchtgebieten. Die Landnutzung wird dominiert von Ackerflächen (37,7 %), Nadelwald (32,6 %) und (oftmals staubewässerten) Wiesen (11,1 %). Das stark verzweigte Gewässersystem, die große Zahl durchflossener Seen und seenartiger Erweiterungen sowie gestaute, kanalisierte und eingedeichte Abschnitte sind markante Kennzeichen dieses Tieflandgewässers. Die hydrologischen Verhältnisse sind durch starke Beeinflussungen des Abflussprozesses infolge von Nutzungen und Stauhaltungen sowie ein Grabensystem hoher Dichte in den Niederungen gekennzeichnet.

Der Untersuchungsraum von 13.932 km² Größe erstreckt sich über das gesamte Einzugsgebiet der Havel (24.069 km²) ausschließlich der Spree (10.137 km²). Die Quellseen der Havel liegen östlich der Müritz im Land Mecklenburg-Vorpommern. Aus einer Höhe von 63 m über NN legt das Wasser bis zur Mündung in die Elbe bei einer Lauflänge von insgesamt 325 Kilometern nur eine Höhendifferenz von 41 m zurück. Damit ist die Havel ein ausgesprochener Tieflandfluss. Nach ca. 3.500 km² Einzugsgebiet übernimmt die Havel kurz unterhalb von Spandau ihren größten Nebenfluss, die Spree. Diese hat bis Spandau ein fast dreimal größeres Einzugsgebiet (10.137 km²) durchflossen als die Havel und deshalb sowie wegen ihres Ursprungs im Gebirge der Oberlausitz beim Zusammenfluss mit der Havel eine höhere Wasserführung.

In Bezug auf die wissenschaftlichen Herausforderungen bietet das Haveleinzugsgebiet besonders anspruchsvolle naturräumliche Rahmenbedingungen. Die auf relativ kleinem Raum bestehenden Unterschiede in Bezug auf die geogen und hydrologisch bedingten Nährstoffgehalte in den Gewässern sind sicher nirgendwo in Europa größer. Dominieren in den Einzugsgebieten der Oberen Havel und des Oberen Rhins Gebiete mit intensiver Grundwasserneubildung, oligotrophen und mesotrophen Seen und potenziell natürlich mesotrophen Bächen, so sind die breiten Flusstäler (z.B. Berliner Urstromtal), durch negative klimatische Wasserbilanzen gekennzeichnet. Hier dominieren durch den Aufstieg nährstoffreichen und elektrolytreichen Tiefenwassers natürlich eutrophe Gewässer.

Bei Fragen und Hinweisen wenden Sie sich bitte an W. Lahmer (werner@wernerlahmer.de oder  webmaster@havelmanagement.net)
Stand: 07. Februar 2005

Layout: W. Lahmer