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Das Hauptanliegen des Verbundprojektes besteht in der Entwicklung und Bewertung alternativer Bewirtschaftungsmöglichkeiten im Einzugsgebiet der Havel mit dem Ziel der Verbesserung der Gewässergüte. Es werden insbesondere die Auswirkungen verschiedener Bewirtschaftungsoptionen der Gewässer und ihrer Einzugsgebiete hinsichtlich Wassermenge und -qualität untersucht. Mit dem Projekt sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für die Abbildung gewässerökologischer Referenzzustände und die Bewertung des Zustandes der Gewässer sowie künftiger Handlungsoptionen und Entwicklungsszenarien geschaffen werden. Neben den methodischen Aufgaben zur Erstellung, Anpassung und Kopplung von Modellwerkzeugen (Systemmodelle, Szenarientechniken) werden naturraumspezifische und sozioökonomische Bewertungsmaßstäbe, umsetzungsorientierte Handlungsoptionen sowie Werkzeuge für die Verwertung der Ergebnisse durch die Fachverwaltung erarbeitet.

Die Forschungskonzeption ist auf ein ganzheitliches Flusseinzugsgebietsmanagement entsprechend den Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL 2000) ausgerichtet. Laut Art. 4 WRRL soll bis zum Jahr 2015 in den Oberflächengewässern der EU ein "guter Zustand" erreicht werden, d.h. der Gewässerzustand soll möglichst wenig von ungestörten Verhältnissen abweichen. Für die Havel werden diesbezüglich die Zusammenhänge zwischen stauregulierter Abflussdynamik, trophischen und ökologischen Komponenten fokussiert. Für diejenigen Gewässer bzw. -abschnitte, deren gegenwärtiger Zustand und Entwicklungstrend eine fristgerechte Erreichung des guten Zustandes nicht erwarten lassen, werden gebietsbezogene Handlungsoptionen auf ihre Wirksamkeit analysiert. Ziel ist es, Grundlagen für die Ableitung eines umsetzbaren Maßnahmenprogramms gemäß Art. 11 WRRL für das gesamte Haveleinzugsgebiet zu schaffen.

Da die Gewässergüte im Schnittpunkt verschiedener Nutzungsinteressen steht, werden außer dem Gewässerschutz sämtliche Belange der Wasserwirtschaft (Wasserver- und -entsorgung, Abflussregulierung) sowie Landwirtschaft und Naturschutz in den Ansatz mit einbezogen. Die gewässerökologischen Konflikte und Synergismen zwischen den verschiedenen Nutzungen sollen dadurch herausgearbeitet und bei der Ableitung des Maßnahmenprogramms berücksichtigt werden. Außerdem werden im Sinne einer nachhaltigen Gewässernutzung auch die ökonomischen und sozialen Auswirkungen der Managementoptionen einbezogen. Vor allem der Ausgleich möglicher Nutzungsauflagen oder Kosten für Bewirtschaftungsmaßnahmen sowie Kosten-Nutzen-Relationen zur Bestimmung von Handlungsprioritäten stehen dabei im Mittelpunkt.

Die geplanten Untersuchungen tragen in hohem Maße innovative Züge, da die Havel als langsam fließender Tieflandfluss mit eingelagerten Flachseen und weit gespannten Auen eine ideale Versuchsanordnung der Natur zur Verfolgung von Fragestellungen bezüglich Wechselwirkungen zwischen Hydrologie und Gewässergüte im Tiefland darstellt. Die Erreichung der Ziele ist deshalb nur durch Einsatz moderner wissenschaftlicher Methoden der Hydrologie, gewässerspezifischer Bewertungskriterien und praxistauglicher Bewirtschaftungsmaßnahmen möglich. Innovation liegt insbesondere (i) in der integrativen Untersuchung der Wechselbeziehungen zwischen Bio-, Hydro- und Anthroposphäre (Modellkopplungen, ökosystemare Impaktanalyse) einerseits und möglichen Bewirtschaftungsmaßnahmen andererseits, (ii) in Analysen komplexer Entwicklungsszenarien innerhalb einer mesoskaligen Region unter Aspekten sich ändernder Rahmenbedingungen sowie (iii) einer der WRRL entsprechenden gewässerökologischen und sozioökonomischen Bewertung.

Das Vorhaben wird von einer interdisziplinäre Arbeitsgruppe mit Vertretern aus wissenschaftlichen Instituten, Fachbehörden und Privatwirtschaft durchgeführt. Die Praxisrelevanz der Methoden und Werkzeuge sowie der Anwendungsbezug für die in dieser Region relevanten Fragen wird durch die Teilnahme der entscheidenden Landesbehörden des Landes Brandenburg und durch Projektpartner mit ausgewiesener Expertise in umsetzungsorientierten wasserwirtschaftlichen Fragestellungen gesichert. Weiterhin wird durch die Beteiligung von Universität und öffentlichen Forschungsinstituten sichergestellt, dass in der akademischen Entwicklung befindliche Verfahren getestet und eingesetzt werden können und ein Wissenstransfer (in beide Richtungen) vollzogen werden kann. Sowohl die Fachöffentlichkeit als auch die betroffene Bevölkerung werden auf verschiedenen Ebenen in die Bewertung der Projektergebnisse einbezogen. Während der Vorphase wurden Kooperationen mit Umweltinstituten in Finnland und Dänemark initiiert, die einen internationalen Austausch mit den in dieser Fragestellung führenden europäischen Ländern ermöglichen.

 

Bei Fragen und Hinweisen wenden Sie sich bitte an W. Lahmer (werner@wernerlahmer.de oder  webmaster@havelmanagement.net)
Stand: 07. Februar 2005

Layout: W. Lahmer