Wiss. Ziele

 

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Das grundlegende wissenschaftliche Ziel des geplanten Vorhabens besteht darin, auf der Basis des aktuellen technischen Standes und der wissenschaftlichen Kenntnisse für das Einzugsgebiet der Havel Bewirtschaftungsoptionen unter sich ändernden naturräumlichen und sozioökonomischen Randbedingungen zu entwickeln und deren Auswirkungen auf Wasserverfügbarkeit und -qualität sowie die wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse der Gewässerbenutzer zu ermitteln. Dabei werden neben wissenschaftlich orientierten Zielstellungen (Erarbeitung wissenschaftlicher Grundlagendaten, Modelle und Instrumente, die bei der Formulierung von Maßnahmen hilfreich sind) auch praxisorientierte Zielstellungen (Erarbeitung konkreter, exemplarischer Beiträge zur Lösung aktueller Probleme im Untersuchungsgebiet) verfolgt. Die mit dem Projekt angestrebten wissenschaftlichen Ziele lassen sich grob in die drei nachfolgend aufgeführten übergeordneten Bereiche untergliedern.

Interdisziplinarität und Integration

Die Forschungsarbeiten des Vorhabens sind - der zu bearbeitenden Problemstellung hoher Komplexität entsprechend - durch einen hohen Grad an Interdisziplinarität gekennzeichnet. Diese erfordert eine enge Zusammenarbeit von Spezialisten verschiedener Fachrichtungen (wie Hydrologie, Hydraulik, (Landschafts-)Ökologie, Agrarökonomie, Umwelt-/Landschaftsplanung und Fernerkundung) sowohl aus wissenschaftlichen Institutionen als auch aus Behörden und praxisorientiert arbeitenden privatwirtschaftlichen Einrichtungen. Von daher ist es ein ausgesprochenes Ziel dieses Projektes, sowohl die Arbeitsweise als auch die spezifischen Ergebnisse der einzelnen Disziplinen aufeinander abzustimmen und in gemeinsame Ergebnisse und Werkzeuge zur Unterstützung von Entscheidungsfindungsprozessen zusammenzuführen. Dieser interdisziplinäre und integrative Ansatz wird auf verschiedenen Arbeitsebenen erreicht:

bulletModellierung: Durch die direkte Kopplung verschiedener, auf spezifische Fragestellungen ausgerichteter Modelle und deren weitere Verwertung in einem GIS-basierten Evaluierungssystem wird erreicht, dass die quantitativen Ergebnisse der verschiedenen Disziplinen auch von den jeweiligen Nachbardisziplinen bewertet werden können bzw. auf deren Anforderung ausgerichtet werden.
bulletErstellung eines Katalogs wasserwirtschaftlicher Handlungsoptionen: Durch die Zusammenstellung der Handlungsoptionen zur Verbesserung des Gewässerzustandes unter Mitwirkung verschiedener Disziplinen (Wasserwirtschaft, Landwirtschaft, Naturschutz usw.) wird ein Spektrum von Bewirtschaftungsmaßnahmen formuliert, das sämtliche Arten der Gewässerbenutzung einbezieht und von hoher gebietsspezifischer Umsetzungsrelevanz ist.
bulletInformation und Anhörung der betroffenen Bevölkerung und Entscheidungsträgern: Eine kohärente Bewertung und Darstellung der Ergebnisse schafft die Voraussetzungen für eine optimale Nachvollziehbarkeit der komplexen Sachverhalte und Lösungsmöglichkeiten des Flusseinzugsgebietsmanagements für die betroffene Öffentlichkeit und die Entscheidungsträger.

Insgesamt schlägt sich der interdisziplinäre Ansatz in der Verwendung einer abgestimmten Gesamtmethode nieder, die sich sowohl aus datenbasierten (induktiven) als auch theoriebasierten (deduktiven) Herangehensweisen zusammensetzt.

Einzugsgebiets- und skalenbezogene Herangehensweise

Die Fragen der Wasserqualität, Wassermenge und wasserwirtschaftlicher Managementoptionen im Einzugsgebiet der Havel erfordern eine Herangehensweise, die der naturräumlichen Gliederung des Einzugsgebietes entspricht. Hinzu kommt, dass die jeweils relevanten Prozesse in verschiedenen räumlichen Skalen beschrieben und die Erkenntnisse in diesen räumlichen Ebenen miteinander verknüpft werden müssen (up- und downscaling). Die skalenbezogene Bearbeitung erfolgt dadurch, dass verschiedene räumliche Einheiten in verschiedenen Detaillierungsgraden bearbeitet werden, und zwar in Form kleiner Einzugsgebiete mit weniger als ca. 200 km² Größe ("Fokusgebiete"), mittlerer Einzugsgebiete mit bis zu etwa 2.000 km² Größe ("Zwischenebene") und auf der größten Skala in Form des gesamten Havelgebiets (mit Ausnahme des Teilgebietes der Spree). Diese skalenbezogene Herangehensweise beinhaltet auch die Regionalisierung von Ergebnissen, d.h. der Übertragung von in Teilräumen gewonnenen Ergebnissen auf das Gesamtgebiet.

Anwendungsorientierung

Das Projekt ist ausgesprochen anwendungsorientiert, wobei u.a. auch die Simulation von inhaltlich, räumlich und zeitlich konkreten und untereinander abgestimmten Maßnahmen mit Hilfe von Systemmodellen eine hohe Umsetzungsrelevanz bei gleichzeitig hoher Validität der Ergebnisse sichert. Mit der Umsetzung der Ergebnisse in die Praxis, die u.a. durch die direkte Teilnahme maßgeblicher Fachbehörden wie dem LUA BB und der LfL ermöglicht wird, soll noch während der Projektlaufzeit begonnen werden. Die Anwendungsorientierung ist weiterhin dadurch gegeben, dass die betroffenen Gewässerbenutzer und Entscheidungsträger mit in die Ableitung von Leitbildern, Zielvorgaben und in die Zusammenstellung von Managementoptionen einbezogen werden (vgl. TP 9). Die Anwendungsorientierung des Vorhabens drückt sich letztlich auch in der Entwicklung eines GIS-basiertes Szenarienanalyse- und Bewertungstools zur Darstellung von Wassermenge und Wasserqualität im Gewässersystem aus (TP 8), das im Rahmen des Verwertungsplanes an die zuständigen Fachbehörden übergeben werden soll.

 

Bei Fragen und Hinweisen wenden Sie sich bitte an W. Lahmer (werner@wernerlahmer.de oder  webmaster@havelmanagement.net)
Stand: 07. Februar 2005

Layout: W. Lahmer