Ziele und Konzepte

 

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Ein Kernproblem der Havel ist die unzureichende Wasserqualität, insbesondere die Eutrophierung, die trotz Schließung verschiedener Industriestandorte und Modernisierung der Abwasserreinigung bislang nur wenig verbessert werden konnte. Daher wird das Hauptaugenmerk der Untersuchungen auf die Analyse und Modellierung der Nährstoffbelastung sowie die Bewertung von Managementoptionen hinsichtlich dieser Belastung gelegt. Dieses Anliegen orientiert sich direkt an den Zielen der EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL), wonach bis spätestens 16 Jahre nach Inkrafttreten der Richtlinie ein "guter Zustand" der Oberflächengewässer zu erreichen ist (Art. 4, Abs. 1). Nach Art. 2 WRRL weist ein Oberflächengewässer dann einen "guten Zustand" auf, wenn dieser zumindest ökologisch und chemisch als gut zu bezeichnen ist (damit geht der "gute Zustand" als maßgebliches Umweltziel der WRRL inhaltlich über den "guten ökologischen Zustand" hinaus). Im Rahmen des vorliegenden Projekts ist eine Einstufung der Havel nach dem guten Zustand nur dann möglich, wenn auf der Basis von Messwerten zu den Schadstoffen nach Anhang VIII und IX unter Verwendung der LAWA-Empfehlung zur chemischen Güteklassifikation (LAWA 1998) und dem Vorschlag von Irmer (1999) zur Transformation des 7-stufigen bundesdeutschen Klassifikationssystems in das 5-stufige Klassifikationssystem nach WRRL eine Einstufung des chemischen Zustandes erfolgt.

Der Themenkomplex "Wasserqualität in der Havel und Möglichkeiten des Managements zu seiner Verbesserung" lässt sich in die nachfolgend aufgeführten Unterpunkte A - E unterteilen.

(A) Stoffeintrag

Der Stoffeintrag in die Gewässer wird durch geogene und anthropogene Stoffdeposition sowie durch die vom Abfluss und den naturräumlichen Verhältnissen abhängigen Stofftransportprozesse bestimmt. Dabei sind verschiedene hydrologische Mechanismen der Abflussentstehung zu unterscheiden, die von oberflächennahen oder oberflächlichen Prozessen (bei hochintensiven Starkregen) auf der einen Seite bis zu Grundwasserfließprozessen und Rückhaltemechanismen in der Landschaft reichen. In diesem Zusammenhang sind auch die Aufnahmefähigkeit der Bodenzone und Fragen des mittleren Grundwasserstandes sowie der Dränage landwirtschaftlicher Flächen zu beachten. Die quantitativen Aspekte des Landschaftswasserhaushaltes betreffen auch unmittelbar die Prozesse des Nährstoffeintrags. Hier sind einerseits diffuse Quellen aus der Landschaft (v.a. landwirtschaftliche Düngung), andererseits punktuelle Einträge (hauptsächlich Kläranlagenabläufe und Siedlungseinträge) zu unterscheiden. Die aktuelle biologische Gewässergüte vieler Havelabschnitte ist trotz der zurückliegenden Anstrengungen für den Gewässerschutz weiterhin "kritisch belastet" bis "stark verschmutzt". Eine wichtige Ursache für die nur langsame Regeneration des stark eutrophierten Gewässers (insbesondere der Potsdamer Havel) sind die unterhalb des Ballungsraums Berlin nach wie vor vorhandenen hohen Nährstoffkonzentrationen und der Einfluss übersättigter Havelsedimente. Weitere Belastungen aus der Land- und Siedlungswasserwirtschaft stammen aus den verschiedenen Zuflüssen des Fläming sowie den nördlichen Zuflüssen von Dosse, Jäglitz und Rhin. Da das Einzugsgebiet der Spree im Rahmen des Projektes nicht detailliert betrachtet wird, wird hier eine Übernahme der Ergebnisse bzgl. Wasser- und Stofftransport aus dem GLOWA-Elbe Projekt angestrebt (siehe auch Kap. 2.3), da das Spreegebiet dort einen Schwerpunkt der Arbeiten darstellt. Gleiches gilt für die aus dem Großraum Berlin eingetragenen Stofffrachten.

(B) Abflussdynamik in den Fliessgewässern

Insbesondere in sommerlichen Trockenperioden kommt es in der Unteren Havel zu Perioden, in denen der Durchfluss und die Fliessgeschwindigkeiten stark absinken. Die geringen Abflussmengen führen durch mangelnde Verdünnung zu starken Nährstoffanreicherungen, auch durch Freisetzung aus dem Sediment, die ein starkes Algenwachstum fördern. Untersuchungen zur Wassermengenproblematik im Sommer und den dadurch bedingten erheblichen Einschränkungen der Wasserqualität sind deshalb prioritär. Da die Abflussdynamik in den Fließgewässern unmittelbaren Einfluss auf den Stofftransport und die Remobilisierung von Stoffen aus den Flusssedimenten hat, sind die hydraulischen Gegebenheiten der Fließgewässer (also deren Gefälle, Querschnittsgeometrien, hydraulische Rauhigkeiten usw.), Fragen der Renaturierung einzelner ausgewählter Flüsse oder Flussabschnitte, der Einfluss von Stauregulierungen einzelner Gewässer und Gewässerabschnitte sowie von Überleitungen zwischen einzelnen Gewässern bzw. Einzugsgebieten von Interesse.

(C) Strömungsverhalten in den Standgewässern und Absatz- und Remobilisierungsvorgänge der Nährstoffe

Das Haveleinzugsgebiet ist durch eine sehr hohe Anzahl von Seen und seeähnlichen Abschnitten in den Flüssen geprägt. Die Strömungsdynamik innerhalb dieser Seen sowie die Austausch- und möglicherweise auftretenden Remobilisierungsvorgänge mit den Sedimenten sind deshalb von großer Wichtigkeit für die Wasserqualität des Gewässersystems und denkbare Managementmaßnahmen.

(D) Interaktion der Einzugsgebietsfläche mit den Fließ- und Standgewässern

Um den Zielen der WRRL gerecht zu werden, sind neben dem Wasser- und Stofftransport in den Flüssen und Seen auch die entsprechenden Prozesse in der Einzugsgebietsfläche zu untersuchen ("kombiniertes Konzept" immissions- und emissionsseitiger Betrachtung). Die notwendigen raumbezogenen Aussagen müssen bei der beachtlichen Größe des Untersuchungsraumes sowohl auf punktuellen Untersuchungen (Feldmessungen) als auch auf flächenbezogenen Methoden und Regionalisierungen (unter Einschluß von Methoden der Fernerkundung) beruhen.

Die Wechselwirkungen zwischen der Einzugsgebietsfläche und den Fliess- und Standgewässern bestimmen wesentlich die Frage der Stoffeintragspfade aus dem Einzugsgebiet in das Gewässersystem, und zwar über die hydraulische Verbindung von Oberfläche und Grundwasser einerseits und Flüssen und Seen andererseits. So wird die Belastung der Fließgewässer insbesondere dadurch verschärft, dass in der Niederung liegende Auen- und Niedermoorflächen in stofflichem Austausch mit der Unteren Havel stehen. Mittel- bis langfristige Änderungen der landwirtschaftlichen Flächennutzung in Umsetzung der regionalen Entwicklungspläne und infolge der europäischen Agrar- und Umweltpolitik haben einen erheblichen Einfluss darauf, in welchem Umfang der Stoffaustrag aus der Fläche erfolgt.

(E) Wasserwirtschaftliches Management

Zur Verbesserung der Gewässerqualität lassen sich grob folgende Ansätze des Flussgebietsmanagements unterscheiden:

bulletVerringerung der Stoffausträge aus landwirtschaftlichen Flächen
bulletVerbesserung der Reinigungsleistung von Kläranlagen und Verringerung der Stoffeinträge aus Siedlungsflächen (Einwohnerwerte ohne Kläranlagenanschluss, versiegelte urbane Flächen)
bulletGezielte Steuerung des Wasserrückhaltes in der Fläche zur Erhöhung der Abflussrate im Gewässersystem während Niedrigwasserperioden sowie direkte Bewirtschaftung der Abflusseigenschaften der Gewässer durch Staue und Überleitungen
bulletRestaurierungsmaßnahmen zur Reduzierung der Nährstoffkonzentration in den Gewässern.

Dieser Überblick über die aktuelle Problemstellung verdeutlicht, dass im Haveleinzugsgebiet ein hoher Bedarf für ein modernes Flussgebietsmanagement besteht. Aufgrund der Komplexität und Variabilität der auf den Wasser- und Stoffhaushalt wirkenden Einflussfaktoren sowie der stark ausgeprägten Interessen- und Zielkonflikte ist deshalb eine wissenschaftliche Fundierung und Bewertung umsetzungsorientierter Lösungen erforderlich. Da die bereits bestehenden sowie sich abzeichnenden Konflikte langfristig zusätzlich von möglichen Klimaänderungen überlagert werden dürften (Becker et al., 1999), sollten deren Einflüsse bei der Erarbeitung entsprechender Handlungsempfehlungen zusätzlich berücksichtigt werden, auch wenn dieser Aspekt kein primäres Untersuchungsziel des Vorhabens darstellt. Entsprechende Szenarien werden u.a. aus dem GLOWA-Elbe-Projekt übernommen.

 

Bei Fragen und Hinweisen wenden Sie sich bitte an W. Lahmer (werner@wernerlahmer.de oder  webmaster@havelmanagement.net)
Stand: 07. Februar 2005

Layout: W. Lahmer